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Haß, (hat), av Heinrich Mann, ur boken Der Haß

maj 21, 2012

Haß,  Von Heinrich Mann, Aus dem Buch „Der Haß”…

Ur Neuen Vorwärts Nr. 28 1933-

Wer den Geist nicht verträgt, beruft sich auf das Blut. Das haben starke und fruchtbare Geschlechter nie für nötig gehalten, und einer „nordischen Rasse” bedurften sie nicht. Die wird frei erfunden, wenn es schon bald zum Zeugen, jedenfalls aber zum richtigen Denken nicht mehr langt. Dann kommt die Blutmystik dran. Die Nation soll eine „Blutgenieinschaft” sein; — als ob sie nicht  offenkundig zu einer Interessengemeinschaft geworden wäre, mit Beteiligten, die in sehr verschiedenem Maße interessiert sind, mit Betrügern und Betrogenen, wie üblich.

Geschichtliche Willkür hat die meisten Nationen zusammengebracht, und die „Blutgemeinschaft” besteht überall hauptsächlich darin, daß immer ein Teil den ändern blutig gezwunhat, mitzumachen.

Betrachtet diese Siege, diese paar Diktatoren, die für sach allein selbstherrlich verfügen über eine ganze Nation! Zu den öffentlichen Aemtern lassen sie niemand zu außer ihren Kreaturen, und auch das Alleinrecht auf Propaganda haben sie sich angeeignet, Presse, Rundfunk, Film. Sie haben sich mit Vollmachten ausgestattet, wie kein Bismarck sie besaß. Für sie gilt nichts mehr, weder  Verfassung noch Gesetze.

Die Massen marschieren braun gekleidet und mit erhobener Hand an ihnen vorbei. Sie führen sich selbst das Scheinbild einer  großen Militärmacht vor und halten damit das Volk zum Narren. Es läßt sich ja so gern die altbekannte Knechtschaft aufreden
für einen neuen Ruhm.

Jeder hat ihn gehört, seit er über den Rundfunk verfügt. Er beginnt mit einer ungepflegten Stimme und hinterwäldlerischen Aussprache schleppend, aber drohend. Bald steigert sich sein Ton und wird der des schlechten Volksstücks des pöbelhaften Klamauks, schreiend, vor Wut sich brechend. Endlich gibt er das letzte her: dann erscheint das nackte Urwesen, die Venus entsteigt ihrer Schlammflut und stellt sich schamlos aus mitsamt ihren Schäden, die offenbar den Trieb der Menge noch mehr aufpeitschen. Man sieht eine bösartige Frau und sieht, warum sie geliebt wird. Sie wendet sich schroff an die Leidenschaften, die niemand  eingestehen würde, sie aber reißt ihnen die Maske ab. Vor allem wird sie nie vergessen, dazwischen weinerlich zu werden, wie wenn eine gemeine Komödiantin das arme Opfer spielt. „Wir werden verfolgt!”

Gegen Schluß seiner Reden fragen manche Hörer sich in tiefster Seele beleidigt, ob denn niemand den Kranken, einen Epileptiker offenbar, abführt und zu Bett bringt. Die Ärzte, vorausgesetzt, sie dürften ihre Diagnose stellen, ohne daß sie dafür eingesperrt werden, sprechen wohl von Verfolgungswahn.

Ganz in Anspruch genommen von seiner eigenen, nunmehr berühmten Persönlichkeit, hatte der große Mann immer verschmäht, irgend etwas zu lernen. Dabei beharrt er. Er ist nach wie vor der eingefleischte Arbeitslose, der einst in den Meinen Münchner Kneipen auf Gelegenheiten paßte. Wie damals, drängt er sich vor, unbeschwert von Grundsätzen, Lehren und besonders von vertieften Studien. Man kann versichert sein, daß er Marx nie gelesen hat.

In Deutschland allerdings ist eine Minderheit zur Macht gelangt und erhält es dauernd im Bürgerkrieg. Andere unterdrücken und ihnen dias Wort verbieten, das ist nicht in Frieidenszciten üblich, es bedeutet Kriegszustand. Man fühflt sich offenbar als Eroberer, wenn man Gegner einkerkert, andere Gegner zur Flucht ins Ausland oder in den Tod treibt; wenn man die meisten zu einer scheinbaren Unterwerfung zwingt oder aber sie verrückt macht mit ‘einet Propaganda, die System hat und dennoch ganz aus Rand und Band ist. Gerade die Notwendigkeit einer solchen Propaganda beweist zweifellos den Kriegszustand des Landes. Die Wahrheiten des Regimes müssen auf schwachen Füßen stehen und äußerst strittig sein, wenn ein beispielloser Apparat in ihren Dienst gestellt wird.

Die einfache Wahrheit, der ein allgemeines Interesse entspricht, hat noch nie eines solchen Aufwands an Lärm bedurft, um durchzudringen. Seht sie euch an! Vergebens würdet ihr unter den Männern vom Tage einen einzigen suchen, dessen Art etwas aufweist von der vorhandenen Geistigkeit dieses Landes und seinen einstigen Errungenschaften in Philosophie und Moral. Unter der Republik standen Menschen, die dies vertraten an sichtbarer Stelle! Deutschland ermangelt ihrer nicht!

Hier aber tragen die Gesichter nur die Spur über Leidenschaften und des Verbrechens. Gefühllosigkeit breitet Leere über die Züge der einen, und andere sind zerwühlt von der Hysterie. Man bekommt den Eindruck, daß doppelt starke Kinnladen zum Eintritt in das Rassenreich berechtigen, daß aber die tierische Fresse alle Symptome des Verfolgungswahns aufwedsen muß, damit einer zu Ehren aufsteigt. Der Rassenstaat ist weiter nichts als die Auslese der Minderwertigen.

Sechs hochbezahlte Posten auf einmal und dazu noch stehlen; in Palästen wohnen und das Land-, sinn- und zwecklos, ihrem Machtwahnsinn unterwerfen; das genügt ihrem erbärmlichen Ehrgeiz. Sie können für nichts Höheres arbeiten als für sich selbst. Es sind Leute, den nicht denken und die den Gedanken hassen, daher bleiben sie immer kleine verfehlte Wesen, trotz allen ihren großen Verbrechen.

Sie hassen uns denkende Menschen mehr als alle anderen, unvergleichlich mehr als die Kommunisten und sogar noch heftiger als die Juden, die sie wahrhaftig genug hassen.

Sie sind listig, wie die meisten Dummköpfe. Göring glaubte die fremden Journalisten damit zu ködern, daß er sich als Retter der westlichen Zivilisation vom Kommunismus aufspielte. Die westliche Zivilisation neigt Sehr wenig zum Kommunismus, dagegen befindet sie sich in einem Zustand, der sie zur Beute gewissenloser Glücksjäger machen kann. Die westliche Zivilisation, das war in Deutschland die Republik, mag sie auch unzulänglich und schwach gewesen sein. Andererseits haben Glücksritter nur selten Glück bis zum Schluß, und einmal kehrt doch die Zivilisation zurück .

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